Ligakultur

Vorschau, Spieltag 17

Written by Die Torschrei-ber am 17.12.10  » Fußball - Profibereich
Es ist angerichtet. Der letzte Spieltag der Hinrunde steht auf dem Programm. Doch die wichtigste Entscheidung im Winter wurde ja schon vor Wochen geklärt. Die Borussia aus Dortmund ist bereits Herbstmeister und kann relativ entspannt in die Weihnachtsferien gehen, da man im Pokal ja schon „spielfrei“ ist. Unter der Woche waren die Europa League sowie die Auslosung für die KO-Runde in ganz Europa auf dem Programm. Nun geht es zurück in den eisigen Liga-Alltag.




Den Anfang machen diesmal zwei Krisenclubs. Das Schlusslicht aus Mönchengladbach sehnt die Winterpause herbei und auch beim HSV ist man sicher nicht unglücklich darüber. In Hamburg weiß man momentan nicht genau wohin die Reise geht und jetzt gesellen sich auch noch Ze Roberto und Guy Demel ins Lazarett der Hanseaten. Auch die Borussia geht personell am Stock. Neben viele Langzeitverletzten ist nun auch Dauerbrenner Levels gesperrt. So ist nur Kapitän Daems von der ursprünglichen Viererkette noch übrig. Ob der HSV, der vier der letzten fünf Spiele verlor, das ausnutzen kann ist allerdings auch fraglich.
Eins ist klar, die Partie hat mindestens einen Verlierer. Sollte Mönchengladbach ohne Heimsieg in die Winterpause gehen, wird es für Coach Frontzeck eng. Verliert der HSV auch das fünfte Auswärtsspiel in Folge, ist die Saison schon früh fast gelaufen. "Verlieren verboten!" also im brisanten Auftaktspiel am Freitag.


Am Samstag reist der 1. FC Köln mit gemischten Gefühlen nach Schalke. Man konnte dort seit der Saison 93/94 nicht mehr gewinnen, aber immerhin wird man es unter dem Arena-Dach wärmer haben als die restlichen Bundesligisten. Schmerzlich vermissen werden die Kölner Lukas Podolski, der verletzt ausfällt. Dazu muss auch Stürmerkollege Novakovic passen, so dass die mittlerweile gut harmonierende Schalker Abwehr einen ruhigen Nachmittag verbringen könnte. Für Faryd Mondragon im Tor des FC könnte es daher ein ungemütliches Abschiedsspiel werden…


In Bremen kommt es zum Duell der heimischen Werderelf und dem „Verfolger“ aus Kaiserslautern. Mit einem Dreier könnten die Pfälzer an Bremen vorbeiziehen und diese damit wohl endgültig aus den Europa-Träumen schießen. Allerdings ist der FCK seit zwei Spielen ohne eigenen Treffer und die Bremer konnten zuletzt ihre Heimspiele gegen Inter Mailand und den FC St. Pauli klar gewinnen. Wenn die Hanseaten ihren Aufwärtstrend fortsetzen, wird es wohl sehr schwer für die Jungs von Marco Kurz. Bei Werder deutete Kapitän Frings unter der Woche erstmals an, dass dies vielleicht seine letzte Saison sein könnte. Erneut verzichten müssen die Werderaner wohl auf Topstürmer Claudio Pizarro. Der wieder genesene Arnautovic könnte ihn ersetzen. Auch Sandro Wagner lauert auf seine Chance auf einen Einsatz.


Beim Spiel Wolfsburg gegen Hoffenheim kann es eigentlich nur ein Unentschieden geben. So spielten die Wölfe sage und schreibe fünfmal in Folge Remis, die Gäste aus dem Kraichgau immerhin dreimal. Für beide ist dies - gemessen an den eigenen Ansprüchen - deutlich zu wenig. Bei der TSG machten in der Woche Gerüchte über einen Wechsel von Luiz Gustavo Richtung München zum Winter die Runde. Sehen die TSG-Fans ihren Brasilianer also das letzte Mal im Bundesligatrikot von 1899? Erst zweimal war das Team von Trainer Rangnick in Wolfsburg zu Gast, doch jedes Mal gab es eine deftige 0:4-Klatsche. So konnte man überhaupt erst eines der vier Duelle gewinnen. Auf Seiten der Wölfe hofft man auf einen einigermaßen besinnlichen Abschluss der Vorrunde. Ansonsten liegen für Coach McLaren vielleicht nicht nur Geschenke unterm Weihnachtsbaum...


Dass Sevilla nicht Nürnberg oder Mönchengladbach ist, musste der BVB am Mittwoch schmerzlich feststellen. Nun ist man sowohl aus dem DFB-Pokal als auch aus der Europa-League ausgeschieden. Sollte man nun auch bei der starken Eintracht aus Frankfurt Federn lassen, droht die nahezu perfekte Hinrunde ein wenig an Wert zu verlieren. Allerdings kommen die Hessen mit einer Not-Abwehr um die Ecke, die mit Sicherheit ihre Mühe mit Barrios, Kagawa und Co. haben wird. Also wird es wieder einmal an Theofanis Gekas liegen, für Tore und Punkte zu sorgen. Gekas traf gegen den BVB in seinen ersten drei Duellen viermal, danach ging er allerdings auch viermal leer aus. Platzt sein Knoten diesmal? Oder war die Niederlage in Sevilla nur ein Ausrutscher und der BVB setzte seinen Siegeszug fort?


Ohne Topscorer Didier Ya Konan muss Hannover 96 nach Nürnberg reisen. Ob Joker Mike Hanke ihn adäquat ersetzen kann, ist fraglich. Dennoch können die 96er jetzt schon absolut zufrieden mit der Hinrunde sein. In Nürnberg fing alles gut an, doch nach einer kleinen Krise steht man nun etwas verunsichert da. Immerhin kommt mit Javier Pinola ein wichtiger Spieler nach Sperre zurück ins Team. Nur eines der letzten vier Duelle konnte der Club für sich entscheiden, wenngleich man das letzte Aufeinandertreffen gewinnen konnte. Trotz der größeren Punktedifferenz wird Hannover nicht als glasklarer Favorit ins Frankenland reisen. Der Club ist nur vier Punkte vom Relegationsplatz entfernt und würde über Weihnachten sicher gerne auch mal im gesicherten Mittelfeld stehen.


Das Topspiel des Samstagabends ist auf den ersten Blick kein wirklich solches. Denn wenn der Tabellen-15. den –vierten empfängt, ist die Brisanz nicht wirklich hoch. Dass es sich dabei um die zwei wohl verrücktesten Clubs Deutschlands handelt, ist dann allerdings weniger verwunderlich. Der FC St. Pauli empfängt nämlich den FSV Mainz. St. Pauli hat den schwächsten Angriff der Liga und nur der BVB kassierte weniger Tore als Mainz 05. Eine klare Sache? Eher nicht. Denn in Mainz ist der Anfangsschwung verloren gegangen. Und nach sieben Siegen am Stück zu Beginn, gab es in den restlichen neun Spielen nur neun Punkte. Die Hamburger konnten im gleichen Zeitraum aber sogar nur vier Zähler verbuchen und kommen der Abstiegszone immer näher. Beide wollen jetzt den tollen Saisonstart wenigstens noch über die Winterpause retten. Interessant ist auch, dass beide Teams sich noch nie in der 1. Liga gegenüberstanden. Bei der Premiere kann Pauli-Keeper Kessler nicht mitwirken. Mathias Hain wird den gesperrten Torhüter vertreten. Vielleicht kann Lewis Holtby ja am Millerntor seine persönliche Krise beenden und damit auch das Duell der etwas anderen Clubs entscheiden.


Am Sonntag dann tummeln sich die Verfolger des BVB. Den Anfang macht Bayer Leverkusen gegen die starken Freiburger. Während man von der Heynckes-Elf durchaus so eine Hinrunde erwarten konnte, sind die Breisgauer eine der positiven Überraschungen der Hinrunde. Konstant holt man seine Punkte und der fünfte Platz (noch vor dem FCB) ist der Lohn dafür. Das Auswärtsspiel in Leverkusen, wo Fabian Giefer den verletzten René Adler vertritt, wird für die Truppe von Robin Dutt allerdings noch einmal eine harte Nuss. Sidney Sam, Renato Augusto oder Arthuro Vidal ballern Woche für Woche um die Wette, während der SC meistens auf Topscorer Cissé angewiesen ist. Hinzu kommt, dass Bayer in den letzten vier Duellen mit Freiburg 15 Tore erzielte und alle Spiele locker gewann. Doch ein Auswärtssieg wäre nicht die erste Überraschung dieses Jahr für den SCF.


Zum Abschluss kommt zu einem kleinen Süd-Derby. Der VfB Stuttgart trifft auf Rekordmeister FC Bayern München. Während man in Stuttgart den Trainer erneut wechselte, ist man in München langsam wieder in Form. Bruno Labbadia, der als Spieler u.a. auch für den FCB kickte, sitzt nun auf der VfB-Bank und will natürlich einen Einstand nach Maß. Dass man als Trainer zu Beginn gleich zweimal gegen den FC Bayern spielen muss, hatten vor ihm sicher auch noch nicht viele. Denn nur wenige Tage nach dem Ligaspiel trifft man sich im Pokal erneut. Dass die beiden Spiele für beide Clubs richtungsweisend sind, erhöht die Brisanz noch einmal. Bei den Bayern wird Toni Kroos beide Partien wegen einer Verletzung verpassen, sodass Mario Gomez wieder ins Team zurückkehren kann. Thomas Müller rückt dafür eine Position zurück. Was Bruno Labbadia personell nach so kurzer Zeit verändern wird, bleibt abzuwarten. Aber in Stuttgart hofft man vor allem auf den neuen Schwung durch den Trainerwechsel. Für die Münchener geht es momentan nur darum, die Champions League Plätze nicht aus den Augen zu verlieren. Dementsprechend gilt auch hier für beide Teams: Verlieren verboten!

Original: Torschrei - Der unabhängige Fußballblog